Phantasie des Schriftstellers

Sanft branden die hohen Wellen gegen die kleine Bucht und zollen dem Wind der sie vom Meer an die Klippen drängt ihren Tribut. Wie die Wellen dem Wind folgen, so wogt die Masse mit der Musik die von der Mallorquinischen Band kommt, die extra heute und nur heute für die Urlauber spielt, so wie jeden Montag. Aber macht ja nichts.
Es ist mein erster Urlaubstag und ich gebe mich dem trügerischen Schein hin, dass dieses Spektakel in der kleinen Bucht in der ich heute morgen noch geschwommen habe, nur für mich veranstaltet wird.
Die Band spielt echte mallorquinische Musik und ich bin entzückt, dass ich die meisten Lieder sogar mitsingen kann. Der Sänger gibt seine Interpretation von Led Zeppelin, Rolling Stone und Bob Marley Songs zum Besten. Ich hatte noch nicht einmal gewusst, dass diese klasse Musik von Mallorca kommt.
Voll und ganz gebe ich mich der Musik hin, wiege mich im Rhythmus während der Sänger Purple Rain ins Mikro haucht. Mein Blick gleitet wieder über die tosenden Wellen, die sich an den Klippen brechen, um sich dann wieder zurück zu ziehen, damit sich die umliegenden Hotels und Ferienwohnungen im Wasser spiegeln können.
Eine erneute Welle und ich halte für einen Moment den Atem an. Aus den Fluten habe ich eine Flossenspitze aufragen sehen. Fast möchteich meine Augen reiben, traue mich aber nicht. Wie gebannt starre ich auf das Wasser. Ein bleiches, wunderschönes Gesicht von roten Haaren umsponnen lächelt mich an und verschwindet mit einem Male in den Tiefen des Ozeans.
Und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Nicht der Wind macht die Wellen, nein Dutzende von Nixen klatschen mit ihren Flossen zum Takt von Highway to hell gegen das Wasser.
Ich lächle, warum auch nicht.
Mein Blick gleitet an der Küste entlang, wo sich riesige Hotelbunker auftun. Das Reiseprospekt geht mir durch den Kopf: Malerische noch größtenteils ursprünglicher Fischerort.
Seltsam, ich habe bisher noch keine Fischer gesehen, dafür aber jede Menge meiner Landsgenossen, die mehr oder weniger alle gängigen Klischees eines Mallorca Urlaubers erfüllen.
Fünf in hellblaue T-Shirts gekleidete und mit Strohhüten bedeckte Häupter verlangen Lautstark die Möpse zu sehen und liegen sich gegenseitig in den Armen als die Band mit einstimmt.
Mein Blick bleibt an einer Löwenstatue hängen. Wahrscheinlich das ursprünglichste an dieser Bucht.
Eine kühle Briese zischt in die Bucht und lässt mich frösteln. Oder war es etwa der Löwe, der da gefaucht hat? Ich blicke mit zusammengekniffenen Augen zu ihm hinüber und tatsächlich faucht er wieder und verbeugt sich vor mir. Ich lächle, warum auch nicht.
Versonnen ziehe ich an meinem Strohhalm. Herbe Flüssigkeit fließt auf meine Zunge und hinterläßt ein leichtes, angenehmes Brennen. Ich starre auf meinen inzwischen 6. oder waren es 7 Caipirinhas, winke noch einmal einem Drachen zu, der über meinem Kopf mit den Sternen spielt, kurz bevor mir die Augen zufallen, während die Band zu ihrem grandiosen Finale von Tanze Samba mit mir ansetzt.

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