Geschichten rund um Jaja: Die Sache mit Böcken und Schafen

"Onkel Willi, wo kommen die Babys her?“ fragte JaJa, und ahnte nicht, dass sie mit dieser Frage ihren Onkel Willi um 10 Jahre altern ließ.

Es verstrichen Minuten, aber Onkel Willi antwortete nicht. Hatte sie etwas falsches gesagt? Auf jeden Fall war Onkel Willis Gesicht viel blasser als sonst. Die Lippen fest aufeinandergepresst wie gerade Striche hielt er seinen sonst so geschwätzigen Mund fest verschlossen.

Sein Hals wies einige Stresspusteln auf, die er sonst nur bekam, wenn er Henry seinen Hilsarbeiter von „Drüben“ anbrüllte. JaJa wußte nicht, wo „Drüben“ sein sollte, aber es hatte sie auch nie wirklich interessiert, weil es ja anscheinend was schlechtes war, wenn man von „Drüben“ kam.

Wie so oft in letzter Zeit standen Onkel Willi und JaJa vor dem Schafstall. Onkel Willi hatte nämlich einen großen Bauernhof und JaJa verbrachte die meiste Zeit dort. Letzte Woche waren kleine Zwillingsschafe geboren worden, das eine hell, das andere dunkel. Sie hatte Onkel Willi gefragt: „Onkel Willi, warum nennt man eigentlich manche Menschen Schwarze Schafe?“

Und Onkel Willi hatte ihr mit aller Gemütsruhe erklärt: „Das kommt von ganz weit früher. Da gabs noch keine Maschine, um Woll zu färbe, un so arme Bauern wie mir, musste das von eigen Hände Arbeit mache. Die Woll aber von de schwaze Schafe, die konnt mer halt nur schlecht färbe und auch pleder verkafe, deshalb warn schwarze Schafe immer schlecht.

JaJa fand das Onkel Willi unheimlich gescheit war.

 

Onkel Willi atmete tief durch, blickte aber weiterhin nur versonnen auf die ungleichen Zwillinge, die es sich scheinbar zur Aufgabe gemacht hatten sich gegenseitig im Stall herumzujagen.
„Also, das ist wie bei de Schafe?“
JaJa dachte angestrengt nach, was Willi damit meinen könnte und plötzlich fiel es ihr wieder ein: „Du meinst, als der Bock das Schaf bestiegen hat?“
Onkel Willi nickte.
„Und so ist das auch bei Menschen?“, JaJa war fassungslos.
„Ähm – also – ja!“

JaJa wollte noch etwas sagen, aber da kam Henry um die Ecke und Willi ging sichtlich erfreut, dem Gespräch entkommen zu können auf ihn zu.
JaJa dachte noch den ganzen Tag über das nach, was sie von Onkel Willi erfahren hatte, konnte sich aber beim besten Willen nicht vorstellen, wie das gehen sollte.

Am nächsten Morgen war Sonntag und JaJa war sehr aufgeregt. In der Kirche war Kindergottesdienst und sie freute sich immer sehr darauf. Denn nur am Kindergottesdienst durften die Kinder nach vorne kommen und den Gottesdienst mit gestalten. Das machte viel Spaß und war nicht so langweilig.
„Na, liebe Kinder, was meint ihr, wo kam denn unser Jesuskind her?“
JaJa Finger schnellte in die Höhe: „Herr Pfarrer, ich weiß es! Der Onkel Willi hat es mir gesagt.“
„So, JaJa?“, fragte der Pfarrer verwundert, wusste er doch, dass Onkel Willi regelmäßig bei den Gottesdiensten einschlief. „Dann erzähl mal.“
„Der Josef hat die Maria von hinten bestiegen, so wie der Bock bei den Schafen!“
Die Gemeinde brüllte vor Lachen und JaJa sah gerade noch, wie Onkel Willi versuchte seinen roten Kopf unter seinem Hut zu verbergen.

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