Geschichten rund um JaJa: Der Muttertag

 

JaJa saß in ihrem Zimmer, die Wangen vor Eifer gerötet. Die Zunge hatte sie in ihre Backe gedrückt, so dass eine leichte Wölbung zu sehen war, so wie sie es immer tat, wenn sie hochkonzentriert war.

JaJa war fünf Jahre alt und eigentlich wurde sie von allen auch nur JaJa gerufen. Wenn sie ihre Mutter fragte, warum man sie Jaja nannte, lachte sie nur und sagte, weil ihr Papa das immer gerufen hatte als sie gezeugt wurde. JaJa hatte das nie so recht verstanden.

Der Klebestift wollte nicht so recht die beiden Stoffe zusammenhalten. Immer wieder ging er ab und JaJa musste noch einmal nachdrücken.
Die Hälfte ist bereits fertig, dachte sie und betrachtete ihr bisheriges Werk voller Stolz.

Mama würde sich so freuen, wenn sie ihr das Geschenk an Muttertag präsentierte. Im Kindergarten liefen seit Wochen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Bilder mit Wachmalstiften wurden gemalt, Herzen ausgeschnitten und bemalt oder Topflappen gehäkelt. All das hatte Jaja nur gelangweilt, das war doch was für Babys.

Sie wollte genauso ein tolles Geschenk machen wie letztes Jahr zu Weihnachten. Den antiken Holzstuhl von Oma Rosi hatten sie und ihr großer Bruder mit Plakafarben ein neues Kleid verliehen. Manchmal verstanden sich Marius und JaJa nicht besonders. Vor allem wenn er sie nicht mitnehmen wollte, wenn er mit seinen Freunden spielen durfte. Marius durfte nämlich schon ganz alleine raus gehen - er war ja auch schon 9 Jahre alt.
Aber bei diesem Geschenk war Marius sehr hilfreich gewesen. Er besorgte die Farben und Pinsel aus der Schule, weil es die im Kindergarten noch nicht gab und er malte die Konturen von Schmetterlingen und Blumen, damit sie sie nur noch auszumalen brauchte. Und als es dann zur Geschenkübergabe kam, überließ er die Präsentation ganz ihr und sagte mit keinem Wort dass er ihr geholfen hatte. Das fand sie toll.

Der Prittstift ging so langsam zur Neige und sie hatte keinen anderen Kleber.
Vielleicht ist ja draußen in der Küchenschublade noch etwas.
Dort bewahrte ihre Mutter alles auf, was sich nicht wirklich einem bestimmten Ort zuordnen ließ – Krimskramsschublade, nannte sie es. Jaja mochte diesen Namen.

„Hallo, Kleines.“
Mutter saß am Küchentisch mit Moni von gegenüber und sie tranken Kaffee und schwatzten. Moni war öfters bei JaJa Mutter, aber JaJa Mutter war niemals drüben bei Moni. JaJa wusste auch warum. Als Moni krank war, hatte ihre Mutter ihr aufgetragen Moni Einkäufe hinüber zu bringen. Moni hatte keine Familie und deshalb half JaJas Mutter ihr aus. Als Moni die Tür öffnete kam sofort ein Schwall unangenehmster Gerüche JaJa entgegen.. Eigentlich hatte Moni nur einen kleinen Türspalt geöffnet, als ihr JaJa aber das Päckchen in die Hand drückte, ging die Tür weiter auf und JaJa konnte sehen, dass die Wohnung bis zum anderen Ende vollgemüllt war.
Moni hatte schnell, Danke, gemurmelt und die Tür wieder zugemacht. Als sie ihre Mutter darauf ansprach, hatte sie ihr nur geantwortet, dass Moni krank wäre und ein seltsames Wort benutzt: Messi. Seitdem hielt JaJa ihr Zimmer in Ordnung, sie wollte ja nicht krank werden. Leider war ihr aber nun auch immer Bange um ihre Mutter, vielleicht steckte sie sich ja mit Messi bei Moni an.

„Hallo“, murmelte sie.
„Sag mal, was treibst du eigentlich den ganzen Tag schon da drinnen?“
JaJa grinste: „Das ist ein Geheimnis.“
Dann flutschte sie durch die Tür zur Küche und hörte ihre Mutter noch sagen: „Bin mal gespannt, was das für ein Geheimnis ist. Wenn sie so still ist, dann heckt sie etwas aus.“
Und Moni lachte.

In der Küche fand sie keinen Klebstoff, aber im Flur stand ein Eimer mit Leim. Ihr Vater hatte heute Morgen einen Teil der Tapete ausgebessert. Den Teil, den ihre Katze Mandy mit ihren Krallen zerrissen hatte. Der ausgebesserte Teil der Tapete sah weißer aus.

Wenn Leim Tapete an der Wand hielt, so konnte er auch bestimmt Stoff zusammenhalten, dachte JaJa.

Sie klemmte sich den Eimer vor die Brust, huschte durch die eine Tür und schnell durch die andere, ohne das Moni und ihre Mutter sie sehen konnten.

In ihrem Zimmer angelangt, machte sie sich sofort wieder an die Arbeit. Stoffbahn für Stoffbahn beschmierte sie mit dem klebrigen Leim, der weitaus schwieriger aufzutragen war, als der Klebstoff und presste sie zusammen.

Endlich war ihr Werk vollendet und sie hängte es zum Trocknen über einen Stuhl.
Morgen würde sie es zeigen können - erst morgen. JaJa wusste, dass sie vor Aufregung nicht würde schlafen können.

Am nächsten Morgen waren Marius und sie früher aufgestanden und deckten den Frühstückstisch, so wie an jedem Geburtstag, Vatertag und Muttertag. Marius holte Brötchen von Tante Fiene, die um die Ecke einen kleinen Laden betrieb, der morgens frische Brötchen vom Bäcker geliefert bekam. Jaja holte Marmelade, Wurst, Käse, Honig und vieles mehr aus dem Kühlschrank und drappierte es ordentlich auf dem Tisch. Um die Tassen und Teller aus dem Schrank zu holen, musste sie sich einen Stuhl heranstellen, aber schließlich standen vier Teller und drei Tassen und ein Glas auf dem Tisch. Das Glas war für Papa, denn er mochte morgens immer nur Orangensaft, während Mama Kaffee trank und Marius und sie Kakao mochten.

Endlich kam auch Marius wieder und ließ die Brötchen von der Tüte in den großen Brotkorb kugeln. Dabei fiel eines auf den Boden und die Katze, die bereits den ganzen Morgen um ihre Füße strich roch neugierig daran. Marius schnappte es ihr vor der Nase weg, rieb es an seinem Pullover trocken und legte es zu den anderen.

„Mama, Papa, ihr könnt kommen!“, riefen die Kinder im Chor.
In Schlafanzug und Schlappen kamen die Eltern aus dem Schlafzimmer: „Mensch, da habt ihr euch aber eine Mühe gemacht. Das sieht ja großartig aus.“
Papa strich Marius über den Kopf während Mutter Jaja in den Arm nahm.
„Aber zuerst müsst ihr Geschenke auspacken“, rief Jaja und war ohne eine Antwort abzuwarten in ihr Zimmer gelaufen.
Sie kam freudestrahlend mit einer großen Penny-Tüte zurück.
„Zuerst du!“, wies sie ihren Bruder an.
„OK, aber keine Küsse“, rief er seiner Mutter zu und streckte dabei sein zerknautschtes Geschenk hin.
Mutter machte es auf und hielt eine Tonfigur in den Händen. Sie drehte es von allen Seiten und bewunderte es scheinbar: „Oh Marius, das ist ja – also – wirklich schön. Ein ganz tolles...“
„...Geschenk!“, grinste Papa und Mama lachte.
Mama drückte Marius trotz seiner Abwehr einen Kuss auf die Wange.
„Jetzt ich, jetzt ich!“
Jaja hielt Mutter die Penny-Tüte hin und grinste über das ganze Gesicht: „Ich konnts nicht einpacken ist ein bischen feste geworden, aber anziehen kann man es noch. Hab es ausprobiert.“

Mutter nahm die Tüte entgegen und warf einen Blick hinein: „Oh Gott, JaJa. Was hast du...? Ist das mein Rock? Mein guter Faltenrock?“
Mutter holte den Rock, der inzwischen steif und fest geworden war heraus und hielt ihn mit den Zeigefingern fest. An mehreren Stellen konnte man noch das Weiß von dem getrocknetem Leim sehen.
„Ist das nicht toll. Du hast beim Bügeln doch gesagt, dass der Teufel Faltenröcke erfunden habe. Jetzt sind die Falten weg.“
JaJas Mutter musste lachen, wenn sie auch noch immer trübsinnig auf ihren Rock starrte: „Jaja, das hab ich gesagt.“

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Kommentare

  • payday loans no credit check (Mittwoch, 12. November 2014 21:28)

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