Diebstahl in der Fasanerie

„Wann geht es denn endlich los, Papa?“
JaJa stand bereits zum dritten Mal im Bad und trat nervös von einem Stuhl auf den anderen.
„Ich muss mich noch rasieren, JaJa! Geh raus und nerve deine Mutter.“ Er zwinkerte ihr zu.

Seufzend ging JaJa nach draußen. Immer wurde sie hin und her geschickt. Opa sagte immer, dass das nun mal so ist. Wenn man jung ist oder alt, man wird einfach nicht für voll genommen. Opa war toll gewesen. Als er noch laufen konnte, hatte er JaJa immer mit in den Wald genommen. Er wusste so viel über die Tiere und die Pflanzen, dass JaJa immer der Kopf brummte wenn sie von ihren Ausflügen zurückkamen. Was aber das Beste an Opa gewesen war. Er konnte unheimlich gute Geschichten erzählen und zwar so, dass JaJa jedes Wort glaubte.

Einmal erzählte er ihr wie er zu seinem Spitznamen gekommen war. Früher als der Opa noch ein junger Mann war, damals hatte er braunes, volles Haar, da lebte neben ihm eine ältere Dame die nicht ganz richtig im Kopf war. Sie hätte immer vor sich hingesprochen und war einfach seltsam. Einmal sprach sie ihn an und war ganz hektisch. Ihre Katze sei krank und sie würde vielleicht sterben. Husten und Schnupfen hätte sie, ob er nicht mal nach ihr schauen könnte. Der Opa hatte es gemacht und weil er immer so lustig war, riet er ihr, die Katze in den Ofen zu tun, damit sie es schön warm habe. Er ahnte nicht, dass die Frau dies wirklich tun würde. Seitdem hieß ihr Opa im Dorf nur noch Dr. Martin.
JaJa erzählte diese Geschichte gerne, allerdings ließ sie die Geschichte so enden, dass die Katze es geschafft hatte zu entkommen.

„Mama, der Papa hat gesagt, es dauert noch.“
„Och JaJa, wir kommen noch früh genug in die Fasanerie!“
JaJa liebte die Fasaneri. Dort waren ganz viele Tiere. Wölfe, Bären, Wildschweine und der Streichelzoo. Es gab immer so viel zu sehen und wenn sie ganz lieb ist darf sie vielleicht wieder eine Futtertüte kaufen.

Eigentlich sollte dieses Mal auch eine Freundin von JaJa mitkommen. Aber sie hatten sich zerstritten. Das war doof, denn eigentlich mochte sie Ulrike. Aber bei ihrer letzten Schlummerparty hatte Ulrike ihr einen Besenstiel in den Bauch gerammt, weil JaJa gesagt hatte, dass ihr Papa viel lustiger ist als ihrer. Seitdem redeten sie nicht mehr miteinander. Auch nicht im Kindergarten. Ulrike saß mit den Mädchen in der Puppenecke und JaJa war mit den Jungens meistens draußen auf dem Klettergerüst.

„So, wir können!“, rief der Vater als er nach Parfum duftend aus dem Flur trat.
JaJa sprang sofort auf. Seit bereits drei Stunden war sie komplett angezogen, hatte selbst eine Stulle geschmiert und ihren Rucksack gepackt. Jetzt endlich konnte es losgehen. Die Fahrt erschien ihr unendlich lange. Der Wildpark war 40 km entfernt und obwohl JaJas Vater sehr rasant fuhr, wie Mutter einmal bemerkte, brauchten sie 45 Minuten.

„F-A-S-A-N-E-R-I-E, “, las JaJa laut vor.
Obwohl sie noch nicht in der Schule war, konnte JaJa schon lesen, sogar schwierige Worte, die ihr vier Jahre älterer Bruder nicht lesen konnte.
Immer wenn ihre Mutter und sie beim Arzt waren, das kam häufig vor, weil JaJa leider nicht mit Gesundheit gesegnet sei, wie ihre Omi immer betonte, brachte ihre Mutter ihr das Lesen bei, damit es nicht zu langweilig war.

„Gut, Schatz“, lobte die Mutter. „Dann hinein mit dir.“
JaJa sprintete voran, lief vorbei an der großen Bärenstatue und gleich nach links. Immer weiter gerade aus auf das große Tor zu. Warten. Eine kleine Schlange stand bereits vor dem Streichelzoo und warteten darauf das die vorige Gruppe rauskam, damit sie eingelassen werden konnte. JaJa wartete geduldig.

„So, dann dürft ihr jetzt rein“, sagte eine junge Mitarbeiterin in einer blauen Jacke.
JaJa stürmte rein. Die Ziegen bestürmten sie als erstes, ließen aber schnell von ihr ab, weil sie ja kein Futter hatte. Ziegen waren JaJa auch egal. Die kannte sie ja. Ihr Onkel hatte schließlich einen Bauernhof. Auch die Schweine und die Schafe ließ sie links liegen.

Sie stürmte gleich in den Stall mit den Häschen und Meerschweinchen. JaJa, ging in die Hocke und beobachtete die Nager, die wild umherwuselten, Futter aufsammelten oder sich putzten.
„Hey Du Frecher, lass das!“
JaJa beobachtete, wie ein fettes, schwarzes Kaninchen ein kleines, scheinbar noch sehr junges Meerschweinchen biss, als es an die Karotte wollte.
„Lass das, hab ich gesagt!“
Wieder hatte das Kaninchen den Kleinen seine Zähne spüren lassen. Das Meerschweinchen zog sich ängstlich in eine Ecke zurück und wagte nicht wieder hervorzukommen. JaJa tat das Meerschweinchen leid.
„JaJa, kommst du bitte!“, hörte sie ihre Eltern vom Zaun rufen.

JaJa seufzte. Sie konnte das Meerschweinchen doch nicht alleine lassen. Das böse Kaninchen würde es bestimmt wieder beißen oder Schlimmeres. Nein, das konnte sie nicht zulassen. Beherzt griff sie zu. Das Herz des Meerschweinchens bubberte in ihren Händen.
„Versteck dich in meiner Tasche. Da kann dir nichts passieren.“
JaJa ließ das Meerschweinchen in ihrer roten Jackentasche verschwinden und schloss sie sorgfältig. Die Eltern bemerkten die kleine Ausbuchtung nicht.
3 Tage später
„JaJa, wo ist deine Jacke. Ich möchte sie waschen.“
„Im Flur, hinter dem gelben Vorhang“, rief JaJa ihrer Mutter zu und widmete sich wieder ihrem Puzzle.
„JAJA, was…. Komm sofort hierher!“
JaJa wurde es sofort bange. Langsam ging sie nach draußen in den Flur. Ihre Mutter hielt ihr ihre Jacke hin. Die Jackentasche war offen und es stank fürchterlich. Das Meerschweinchen lag steif zusammengerollt darinnen.
"Aber ich wollte es doch retten", heulte JaJa.

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Kommentare

  • steffi k. (Donnerstag, 02. Mai 2013 14:16)

    Die geschichte kennen wir doch...oh man ich sehe das ganze drama bildlich vor mir. Und war die jacke wirklich rot ....? Je praeziser formen u farben erzaehlt werden, desto staerker die bilder im kopf
    des lesenden.

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