Erstlingswerk: Deutschlands Schulen

Verehrte Damen, geschätzte Herren!
Ich gehe in die 10. Klasse der Realschule. Seit nicht ganz drei Jahren habe ich das unsagbare Vergnügen auf dieser Schule zu lernen, die ich mit jedem Jahr mehr schätzen und vora allem lieben gerlent habe. Jeder Tag an diesem Ort der Pädagogik ist ein Tag voller Abenteuer, Lernbereitschaft und Freundschaft. Was meinen Mitschülern und mich immer wieder in Erstaunen und Entzücken versetzt ist die Liebe, Geduld und Fürsorge des gesamten Lehrkörpers uns auf die harte Welt, das Leben nach der schule vorzubereiten.
Um ja nichts von der kostbaren Unterrichtszeit zu versäumen, bin ihc jeden Morgen punkt 6:50 Uhr in der Schule und erwarte gespannt, wer von unserem geschätzen Schulpersonal als ersten den Arbeitstag antritt. Die Sekretärin, unsere liebenswürdige Fachkraft im Büro betritt als erste diesen Ort, dicht gefolgt von dem Mann, den nichts aus der Schule in den wohlverdienten Ruhestand locken kann - meinen Klassenlehrern.
Nach diesen beiden Vorbildern an Pünktlichkeit und Tatendran bleibt zu bemerken, dass keine andere Lehrkraft zu dieser frühen Stunde das Schulgebäude betritt - oder haben sie sich an mir vorbeigeschlichen?
Inzwischen wimmelt es im Schulgebäude von eifrigen Schülern, die alle, vor Aufregung zitternd den Beginn des Unterrichts erwarten. Nun ist jedoch ein morgendliches Ritual zu bennen. Denn versüßt wird uns der Schulbeginn durch das 1. Klingelzeichen unserer wohltönenden Schulglocke um 7:25 Uhr. Nach diesem Klingelzeichen werden alle Schüler von den Lehrkräften hinaus beordert. Besonders beliebt bei den Lehreren ist dieses "Abschrecken junger Körper" in der Winterzeit bei Minus-Graden. Immer wieder erstaunt es mich zutiefst mit welcher HIngabe und entfesselnder Leidenschaft uns das geschätze Schulpersonal in die Kälte treibt.
Dieser Brauch wird schließlich zum allgemeinen Bedauern der zu erziehenden Jugend durch das zweite Klingelzeichen um 7:35 Uhr beendet. Um den Sinn des Rituals benenen zu können, möchte ich unseren geachteten Vertrauenslehrer zitieren: "Ob ihr nach draußen müsst, hängt vom aufsichtsführenden Lehrer ab!"
Die Unterrichtsstunden sind gesäumt von eifriger Mitarbeit und aufmerksamer Lernbereitschaft der schüler. Ein besonderes Verlangen gilt den naturwissenschaftlichen Fächern: Mathematik, Physik und Chemie. Unterbrochen werden die Unterrichtsstunden von Zeit zu Zeit von unserem Hausmeister. Des öfteren benötigt dieser von Arbeit überlastete Mann die Hilfe junger, fleißiger Menschen. Da eine besonders pädagogisch wertvolle Maßnahme der Erziehung die Offenbarung der Hilfsbereitschaft ist, entfernt sich jeder Schüler, wenn auch mit einem unwohlen Gefühl im Magen, der verlorengehenden Unterrichtszeit wegen aus der Klassengemeinschaft, um ihm zu Hilfe zu eilen. Anfallende Arbeiten sind zum Beispiel: das Befreien des Sportfeldes von Steinen, das Reinigen des Schulhofes von Abfall oder, für künstlerisch Begabte, das Aufbauen der Stühle in vielen Reihen in der Aula. Mit wachsamen Augen werden diese Tätigkeiten der Schüler von dem um ein Wort des Dankes nie verlegenen Hausmeisters kontrolliert.
Ein besonderes Abenteuer für jeden schüler ist der Gang zum "Stillen" Örtchen. Betritt man dden Raum, wird der heranwachsende Mensch sogleich mit dem wohlriechenden Duftgemisch aus Tabak, Parfüm und urinalen Absonderungen empfangen. Konnte er sich dann erst einmal der Fluchtgedanken erwehren, beginnt alsdann der blutige Kampf um die Inbesitznahme einer Kabine. Zumeist von mehreren besetzt, kann sich ein Schüler glücklich schätzen, vor der nächsten Unterrichtsstunde einen Toilettenplatz zu ergattern. Das erleichterte Gesicht, das ein Schüler bei der Besetzung aufgewiesen hatte, weicht alsdann dem Schrecken. Die Tür lässt sich nicht abschließen!
Der innerliche Druck bringt den zu einem Erwachsenen zu erziehenden Jugendlichen zu einer Verzweiflungstat. Mit einem Bein hält er die Türe zu, während das andere versucht das Gleichgewicht zu halten und der Schüler sich Erleichterung verschafft. Ist diese Gymnastik nun beendet bemüht sich der reinliche Schüler um die notwendige Hygiene vor Verlassen dieses Ortes. Doch die Verzweiflung wird nun noch auf die Spitze getrieben: Ein Hygienepapier, um evt. vorhandene Fäkalienreste, die sich noch an der Haut befinden zu entfernen ist nich aufzufinden. Aber "Aufgabe" ist ein Wort, das nicht in den Wortschatz eines Realschülers gehört. Mit zusammengekniffenen Hinterbacken sucht er bei Kameraden nach einem zu einem notwendig Mitbringsel gewordenen Taschentuch.
Als ein wahrer Trauergang ist der WEg nach Hause zu bezeichnen. Voller Wehmut blicken die Schüler auf die Schule, die ihnen beibringt, was das "Wahre Leben" bedeutet. Auch ich werde diese schule vermissen und ihr in stiller Trauer immer gedenken. Denn sie hat mich gelehrt: "Trage immer ein Taschentuch bei dir!"

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