Jaja wars

“Jaja!”, sagen die Erwachsenen oft zu den Kindern. “Jaja! Das hast Du gut gemacht!”, sagen sie und gucken nicht einmal hin. “Jaja! Da hast Du völlig Recht!” Das habe ich als Kind schnell verstanden. Ich habe meinem Vater ein Bild unter die Nase gehalten -oft hat er zwar wirklich hingesehen, mich gelobt, nichts gegen meine Eltern- aber hin und wieder, wenn er gerade keine Zeit hatte, hat er nur “Jaja!”, gesagt.

Irgendwann habe ich den Spieß herum gedreht. Ich habe mir einen imaginären Freund angeschafft. Man mag jetzt denken, dass ich diesem Freund dann alles gezeigt hätte und er hätte mir natürlich nicht ein “Jaja!” unter die Nase geschmiert, sondern meine Kunst, was auch immer ich tat, in höchsten Tönen gelobt. Man könnte auch meinen, ich hätte nur noch mit ihm gespielt, gar niemanden mehr gebraucht, nicht mehr gemalt, keine Geschichten mehr erfunden, einfach nur mit meinem imaginären Freund mit Legos gebaut und weil es niemand sehen durfte, sobald etwas fertig war, alles wieder zerstört. Doch das ist falsch. Ich habe noch gemalt, mir Geschichten ausgedacht, Quatsch erzählt und meine Eltern durften weiterhin alles mit einem “Jaja!” vergüten.

Doch sobald ich etwas falsch gemacht hatte, eine Tafel Schokolade aus dem Süßigkeiten Schrank fehlte, der Fernseher lief, obwohl ich Verbot hatte, eine Heizung voll aufgedreht, der Wellensittich nicht versorgt oder aber einfach nur die Terrassentür offen gelassen worden war, beantwortete ich die tadelnden Blicke meiner Eltern damit, dass ich die Schuld auf meinen imaginären Freund schob. Dieser hatte dafür natürlich den passenden Namen bekommen und so hörte man mich mehrmals am Tag sagen:

“Jaja wars!” Jaja war mir übrigens nie böse! Hat ja auch nie Schelte bekommen.

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