Das Pferdchen Huppdiwupp, das über alle Berge huppt

Das Pferdchen Huppdiwupp lebte auf einem kleinen Bauernhof in Hessen und eigentlich hätte es sehr glücklich sein können. Es durfte den lieben langen Tag auf der Weide stehen und Gras fressen und es wurde nur von den kleinen Fliegen genervt, die ihm ständig in die Ohren flogen und es kitzelten.
Auf dem Bauernhof lebten noch viele andere Tiere, Friedrich die tolpatischige Gans, Erwin das faule Schwein, Hilde, die Henne die niemals Eier legt, Ronny der Schäferhund und viele Kühe und Schafe, die wir nicht alle beim Namen nennen wollen.

Mit allen war das kleine Pony sehr gut befreundet und keiner hatte auch nur ein schlechtes Wort über Huppdiwupp zu sagen. So vergingen die Tage damit, dass das kleine Pferdchen seine Runden auf dem Hof drehte, mal hier seine Nase in den Gänsestall reinstreckte um mit Friedrich zu plauschen oder aber den Hühnern einen Besuch abstattete, um mit Hilde den neuesten Klatsch und Tratsch auszutauschen.

Dann wieder stand das Pferdchen nur auf seiner Wiese und fraß genüsslich den vielen frischen Klee oder den Löwenzahn. Ab und zu kam auch mal eines der Kinder des Bauern auf die Wiese und streichelte es.

Eigentlich hätte Huppdiwupp sehr zufrieden sein können. Aber Huppdiwupp wollte ein Abenteurer sein und in die weite Welt ziehen.

„Was, wuff, willst du denn in der Ferne. Du hast es doch, wuff, gut hier. Ein Dach über dem Kopf, Menschen, die dich lieb haben, Fressen so viel du willst und viele Freunde?“, sagte Ronny, als Huppdiwupp ihm seine Gedanken bei einem ihrer Spaziergänge mitteilte.

„Ja, ich weiß Ronny, aber hast du dir nicht mal überlegt, was hinter dem nächsten Hügel liegen könnte und hinter dem danach. Dort wartet das wahre Leben, Abenteuer – die Freiheit.“, Huppdiwupp war ins Schwärmen gekommen und verträumt blickte er auf den kleinen Hügel, über den er noch niemals hinausgekommen war. „Ach, Ronny, ich wünschte, ich könnte so hoch hüpfen, dass ich über alle Berge einfach hinweghüpfen könnte.“
Ronny schüttelte nur den Kopf, antwortete aber nichts mehr.

In der Nacht konnte Huppdiwupp nicht schlafen. Er ging von einer Ecke seiner Weide zur anderen und mit einem Mal kam ihm seine Weide viel kleiner vor. Er schnaubte unwillig und versuchte noch einmal die Augen zu schließen, um zu schlafen.
Ihr müsst wissen, Pferde können immer und überall schlafen und das sogar im Stehen. Sie müssen nur die Augen schließen.
Aber Huppdiwupp konnte versuchen, was er wollte, er konnte einfach nicht schlafen. Betrübt blickte er den Mond an und feierlich sagte er: „Ach Mond, ich wünschte ich könnte über alle Berge hüpfen, um die Welt zu sehen und Abenteuer zu erleben.“

„Huppdiwupp?“
Erschrocken drehte das kleine Pony sich um aber es konnte niemanden sehen.
„Hier unten Huppdiwupp.“

Das Pony blickte ins Gras, sah aber immer noch nicht, wer ihn da angesprochen hatte. Mit der Nase kam es ganz nah an das Gras heran und schnaubte. Eine kleine Ameise wurde von seinem Atem von den Füßen gerissen und kullerte von dem kleinen Maulwurfhügel herunter, auf dem sie gestanden hatte.

„Oh entschuldige“, sagte Huppdiwupp und bot dem kleinen Geschöpf eines seiner Nasenhaare an, damit es sich wieder auf die Füße ziehen konnte.
„Macht ja nichts. Ich habe eben deinen Wusch gehört, Huppdiwupp. Vielleicht lässt sich da ja was machen?“
„Wirklich?“, Huppdiwupp machte einen kurzen Satz vor Freude und die kleine Ameise entkam nur knapp seinen Hufen.

„Pass doch bitte auf“, die Ameise wurde langsam zornig.
„Oh entschuldige nochmal“.
„Jaja, also mein Name ist David von Ameisenhaufen 7. Ich kann dir deinen Wunsch erfüllen, wenn du es wirklich willst.“
„Ich habe noch niemals davon gehört, dass Ameisen Wünsche erfüllen können. Ich dachte, das könnten nur Feen.“

„Ja, das ist leider eine schlimme Geschichte. Kaum einer weiß das Ameisen eigentlich diejenigen waren, die Wünsche erfüllen konnten. Wir wurden von den Feen um diese Vorherrschaft betrogen. Es war leider mein Vorfahre Berthold, der sich ins Boxhorn jagen ließ. Er gewährte einer Fee einen Wunsch und sie wünschte sich, dass ihre gesamte Rasse zukünftig Wünsche erfüllen konnte und wenn wir einmal einen Wunsch anbieten, dann dürfen wir diesen nicht mehr ablehnen. So bekamen die Feen die Möglichkeit Wünsche zu erfüllen“, traurig blickte die Ameise auf den Boden dann fuhr sie fort: „Nun aber zu dir. Du willst also über alle Berge hüpfen, dass du die ganze Welt sehen kannst?“
„Ja, das will ich“, die Augen des kleinen Ponys leuchteten.
„Gut, ich will ihn dir erfüllen. Aber eines noch kleiner Huppdiwupp, bist du dir wirklich sicher, dass du das tun möchtest? Deine Freunde und die Menschen werden dich sehr vermissen.“
„Doch, doch ich will das“, das Pony schob trotzig seine Unterlippe nach vorne.
Die Ameise zuckte mit den Schultern: „Gut, dann soll es so sein.“
Das Pony blickte ihn erwartungsvoll an, aber die Ameise sah genauso erwartungsvoll zurück. Endlich räusperte sich David: „Worauf wartest du noch? Du kannst loshüpfen.“

Ungläubig blickte Huppdiwupp auf ihn hinab: „Was einfach so? Musst du nicht noch erst einen Zauberstab schwenken oder einen Zauberspruch sprechen, damit es wirkt.“
Die Ameise verschränkte die Arme vor der Brust und wirkte beleidigt: „Ah, der Herr möchte einen großen Hokuspokus und vertraut nicht darauf, dass David seinen Wunsch erfüllt hat?“
„Nein, nein schon gut. Was soll ich denn tun.“
Die Ameise fasste sich an den Kopf über so viel Begriffsstutzigkeit: „Ja, in die Luft hüpfen.“

Huppdiwupp versuchte es und obwohl er sich kaum kräftig genug abgestoßen hatte, um über den nächsten Zaun zu kommen, schoß er weit nach oben in den Himmel. Er konnte über den Hügel sehen und auf das Tal dahinter, dann fiel er wieder hinunter und stand wieder auf seiner Weide.

Die Ameise lächelte: „Zufrieden?“
„Oh ja, danke, danke. Das ist super. Jetzt kann ich mich aufmachen und die Welt kennenlernen. Vielen Dank, David.“
Die Ameise verbeugte sich galant und im nächsten Moment, war sie im grünen Gras verschwunden.

Huppdiwupp wartete nicht lange sondern hüpfte sofort drauf los. Er hüpfte über Zäune und Häuser, Büsche und Bäume, Bäche und Flüsse und über Hügel und Berge und bald schon war sein Zuhause weit hinter ihm zurück geblieben und wenn Huppdiwupp zurückblickte konnte er es fast schon gar nicht mehr erkennen.

Huppdiwupp hüpfte durch ganz Deutschland, spazierte durch den Kölner Dom, bis der Abt ihn mit einem Besen in der Hand vertrieb, trabte durch das Brandenburger Tor, besichtigte das Königsschloss Neuschwanstein, frass sich auf der Insel Mainau in den herrlichen Gärten satt und feierte auf der Reeperbahn eine wilde Party.
Aber Deutschland war dem kleinen Pony nicht genug.

Er hüpfte weiter und kam nach Afrika. Dort wohnten ganz viele dunkle Menschen mit roten Haaren, die ihm leckeren Maisbrei zu Fressen gaben.

Auch Tiere sah Huppdiwupp viele.

Die Elefanten waren die gewaltigsten. Sie erzählten ihm viele Geschichten über ihr Land und erklärten immer wieder, dass sie niemals etwas vergessen würden, denn Elefantenhirne sind genauso gewaltig wie der Rest von ihnen.
Die Giraffen brachten ihm viel über Ausdruck und Grazie bei und betonten immer wieder, dass er den Kopf niemals hängen lassen dürfe.

Auch Zebras traf er in der Savanne, aber sie waren so arrogant, dass er kein Wort mit ihnen wechselte.

Von den Löwen hielt er sich fern, obwohl er gerne mit ihnen gespielt hätte, aber vor ihren großen Zähnen fürchtete er sich doch zu sehr.

Das nächste Land fand Huppdiwupp sehr seltsam und es hieß China. Es war abgeschirmt durch eine riesige Mauer und in die Menschen darinnen, waren sehr klein und ihre Augen zu Schlitzen verengt. Statt sich die Hand zu geben, verbeugten sich die Menschen zur Begrüßung mehrmals voreinander. In den Städten war es kunterbunt und sehr laut. Die Menschen freuten sich immer wenn sie das kleine Pferdchen sahen und machten viele Fotos von ihm.

Wieder hüpfte Huppdiwupp und das nächste Land in das er kam war Indien.

Er hüpfte mitten in die Dreharbeiten eines Bollywoodstreifens hinein. Die Menschen hatten lange, bunte Gewänder an und die Frauen zwischen den Augen einen roten Punkt. Sie sangen und tanzten fröhlich um das kleine Pony herum bis es Huppdiwupp ganz schwindelig wurde und er mit einem riesigen Sprung nach Amerika kam.

In Amerika lebten viele verschieden Menschen: dunkle Menschen, Menschen mit kleinen, verengten Augen, Menschen mit rötlicher Hautfarbe und Menschen mit weißer Hautfarbe. Die Amerikaner hatten auch scheinbar viel mehr Hunger als andere Menschen, denn überall waren Fast-Food Ketten aufgebaut und auch in den Supermärkten gab es so viel zu essen, dass
Huppdiwupp beinahe so dick geworden wäre, dass er gar nicht mehr springen konnte.

Seine nächste Station war die Antarktis.
Dort lag überall Schnee und es war bitter kalt und das kleine Pony war froh, dass es sein Fell hatte. Die Menschen dort wurden von Schlittenhunden über den glatten Untergrund gezogen und aßen sehr viel Fisch. Den mochte aber Huppdiwupp gar nicht gerne. Auch ein paar Tieren begegnete er:

eine netten Eisbärenfamilie, die ihn zum Abendessen einlud, er aber dankend ablehnte, weil sie ihm sagten, dass es Fisch gäbe und lustige Robben, die ihm so viele Witze erzählten, dass ihm der Bauch vom vielen Lachen weh tat.

Doch obwohl es ihm bei den Robben sehr gut gefiel, bekam er doch bald Hunger und so hüpfte er weiter und kam nach Australien.

Dort traf er auf einen Aborigini, einen Ureinwohner Australiens, der ihm den gesamten Busch zeigte und ihm einige Kängeruhs vorstellte, die ihn bewunderten, weil er so weit hüpfen konnte.

Am Great Barrier Reef lernte er das Surfen und saß abends saß er bei einem Lagerfeuer.

Doch obwohl er so viel herumgekommen war und viel Spaß hatte, musste Huppdiwupp immer wieder an zu Hause, seine Wiese und an die Freunde denken, die er ohne ein Abschiedswort verlassen hatte. Und Huppdiwupp wollte sich dafür entschuldigen, denn mit einem Mal begriff er, dass es zwar schön ist die Welt kennenzulernen, dass es aber nicht so viel Spaß machte wenn er das mit niemandem richtig teilen konnte. Es war Zeit nach Hause zurückzukehren.

Mit einem riesigen Hüpfer plumpste er schließlich zurück auf seine Wiese und es schien als ob sich rein gar nichts verändert hätte. Es war Nacht und der Mond schien auf ihn hinab, wie an dem Tag als er seine Wiese verlassen hatte.
Und obwohl er wusste, dass die Freunde schliefen lief er aufgeregt zum Hühnerstall, wo Hilde den Kopf unter ihrem Flügel gesteckt tief und fest schlief.

„Hilde ich bin wieder da. Ich hüpfte durch die ganze Welt und bin jetzt wieder zu Hause.“
Hilde blinzelte mit den Augen: „Ach, Huppdiwupp. Bist du wirklich wieder da?“
Mit einem Mal war Hilde richtig wach geworden und flatterte mit den Flügeln. „Huppdiwupp ist wieder da, Huppdiwupp ist wieder da!“, gackerte sie und weckte damit die anderen Hühner auf, die wild um Huppdiwupp herumflatterten und seine Geschichte hören wollten.

Aber Huppdiwupp wollte zuerst die anderen Freunde sehen und zusammen mit der Schar von Hühnern ging er in den Gänsestall. Ferdinand fiel von seinem Brett auf dem er die Nacht gesessen hatte, als er Huppdiwupp sah und freute sich genauso ihn wiederzusehen, wie Hilde. Dann gingen sie zu Erwin, der grunzend Huppdiwupp begrüßte: „Joa, Mensch Bua, das du wieder doa bist. Des ist ja eine Freude. Wo hoastn gesteckt, du Lauser?“

Mit den Hühnern, Ferdinand und Erwin gingen sie zu Ronny, der sie bereits bellend begrüßte und freudig um Huppdiwupp herumsprang. Endlich saßen alle zusammen auf der Weide und hörten staunend die Abenteuer von dem kleinen Pony an.

„Und, Huppdiwupp“, sagte Ronny, „wo war es denn am schönsten?“
Das Pony überlegte nicht lange: „Hier bei euch ist es am schönsten.“
Noch bis spät in die Nacht hinein feierten die Tiere die Wiederkehr von Huppdiwupp.
Und damit endet die Geschichte des kleinen Pferdchens Huppdiwupp das über alle Berge huppt um die Welt zu sehen.

Und es lebte glücklich und zufrieden mit seinen Freunden auf dem Bauernhof und niemals wieder sprach es davon die Welt sehen zu müssen.

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