Sport ist Mord!

Was habe ich mir nur dabei gedacht in diesen Kurs zu gehen? Pah von wegen Anfängerkurs. Mir dringt der Schweiß aus allen Poren. Poren von denen ich noch nicht einmal gewusst habe, dass sie existieren. Kann man überhaupt im Ohr schwitzen oder ist das nur bei mir so?

„Nur noch 8….“, erklärt unser Trainer.
Warum muss das auch noch so ein Kerl sein? So ein Typ Marke Brad Pitt auf südländisch mit Waschbrettbauch und umwerfendem Lächeln. Will ich wirklich, dass er mich auf allen vieren sieht, die Wampe viel zu nahe am Boden….?
„Bauch einziehen…“
Sorry, mehr geht nicht. Hängebauchschweine wären neidisch.

Daniel lächelt mir aufmunternd zu, während er die letzten 4 ankündigt. Mein Versuch möglichst lässig zurückzulächeln misslingt völlig. Mein Gesicht ist nur noch eine aufgedunsene, rote Grimasse, dass plötzlich Zähne zeigt. Mehr nicht.
Ich sehe es im Spiegel. Einfach furchtbar.

„… und lösen!“
Ungalant plumpse ich auf die Matte und bleibe ausgestreckt liegen. Schließe die Augen. Genieße für einen Moment, das weniger werdende Ziehen in meinem Po.
„Wir sind noch nicht fertig, Hanna!“, höre ich eine Stimme über mir.
Da steht er, ein Gott mit braungebranntem Teint und lächelt.
Meine Mitstreiterinnen, wenn man sie überhaupt so nennen kann, sind schon längst wieder auf den Beinen und marschieren als ob es um ihr Leben ginge. Ich hiefe mich auf die Füße und ignoriere die Hand des Trainers, der mir aufhelfen will.
Soweit ist es ja nun auch noch nicht.

Träge hebe ich einen Fuss nach dem anderen – Marsh.
„Wir machen eine ganze einfache Choreo, OK?“
Er lächelt mich an. Macht er das nur wegen mir? Dem 100 kg Monster, dass man anscheinend aufmuntern muss, damit es das Pensum schafft? Ich straffe meine Schultern und steigere meinen Marsh deutlich.

„Also zwei mal Single-Step, Single Step Knee zu jeder Seite – vier mal, dopple Knee und dann das andere Bein. Zweimal Step Over und Baby Mambo. Zwei Mal dopple Knee und Marsh, OK?
OK? Nichts ist OK. Ich verstehe nur Bahnhof.
Die Frau neben mir strahlt mich an. Sie ist gut 20 Jahre älter als ich, schlank und durchtrainiert.

Verdammt es fängt an.
Rauf, runter, hin und her, über den Step drüber und wieder zurück.
Mein ganzer Körper transpiriert, meine Knie tun weh und vor meinen Augen flimmert es.
Meine Füße treffen den Stepp nicht richtig. Ich rutsche ab und stoße meinen Stepper nach vorne direkt in die Füße des jungen Mädels vor mir.

Im Nachhinein kann ich nicht mehr sagen, was schlimmer war. Ihr entsetzter Gesichtsausdruck als sie mit den Armen rudernd das Gleichgewicht verlor oder aber das Geräusch des Aufpralls als sie über die Brüstung der geöffneten Doppelfenster fliegt und mit einem dumpfen Knall auf dem Boden aufschlägt.
Was ich auf jeden Fall weiß ist, dass ich diese Choreografie niemals vergessen werde.

Kommentare

Es sind noch keine Einträge vorhanden.
Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder