Mach dir mal nicht son Kopp, Schatz!

„Oh mein Gott!“
Gerade ist mir aufgefallen was wir noch alles zu tun haben. Mein Gedanken rotieren und ich gehe wieder und wieder die Zeit und die Aufgaben durch und komme zu dem Schluss, dass wir es nicht schaffen können – nicht so wie es mein Freund plant.
Mach dir nich son Kopp, Schätzchen!, hör ich ihn schon sagen.
„Was ist denn los?“, fragt meine Kollegin, die meine tiefen Seufzer doch tatsächlich auf meine Arbeit bezieht. Wer sollte auch daran denken, dass ich auf der Arbeit meinen Privatkram erledige?!
„Ach, wir haben noch so viel vor und der Kalender ist proppevoll. Heute Abend feiern wir mit einer Freundin in einen Geburtstag. Natürlich erwartet sie einen Geburtstagskuchen – sie hat ja auch einen an meinem Geburtstag gebacken. Und eine Idee für ein Geschenk hab ich auch noch nicht!“
Ich raufe mir die Haare.
„Und dann ist da morgen noch der Flohmarkt und die Hochzeit! Für den Flohmarkt haben wir eigentlich alles. Nur die Planen müssen wir noch kaufen – wird bestimmt regnen“, sage ich mit einem Blick nach draußen, wo sich riesige Wolkenberge auftürmen. „Tja, und für die Hochzeit muss ich noch das Klammerspiel fertig machen. Und dann ist da noch das Fest. Mein Freund würde am liebsten jeden Tag dorthin. Das wird ein stressiges Wochenende.“
„Naja, du legst dir aber auch den Kalender immer voll...- und Nein sagen kannst du auch nicht. Für deinen Chef organisierst du doch immer alles. Solltest du auch mal bei dir versuchen?“, sagt sie augenzwinkernd.
Ich funkele sie böse an und grinse: „Warte ab, bis bei euch Fussballmüttern wieder das Jahresfest ansteht. Mal sehen, ob du dann Nein sagen kannst, wenn es heißt: Frau M., Sie machen das doch immer so perfekt, könnten sie nicht...-!“
Sie lacht: „Jaja, wir sind einfach zu gut für diese Welt.“
Das stimmt allerdings, denke ich, und schaue wieder auf mein Todo Liste und beschließe, dass mein Freund sein Genanntes tun muss.
Tuuut, Tuuut.
„Jaaaaa“, höre ich es genervt aus dem Hörer, so als wisse er schon, dass ich was von ihm will.
„Hey, ich habe eben mal eine Liste gemacht, Schatz! Wir haben richtig viel zu tun am Wochenende und noch viel vorzubereiten. Ist dir das klar?“
Schweigen bedeutet Zustimmung bei ihm, also fahre ich fort: „Wir müssen noch...“ In einer schier endlosen Litanai verkünde ich unser Wochenendpensum.
„Ach Schatz, mach dir mal nich son Kopp!“
Mein Aggressionspegel steigt über 180.
„Ja, und dann bleibt alles an mir hängen. So nicht, mein Lieber. Wir müssen das planen und vor allem die Aufgaben aufteilen. Sonst geht es nicht.“
„Lass uns das nachher besprechen, hier auf der Arbeit geht das nicht.“
„Na super, wenn Jörg jetzt anrufen würde, um mit dir über die neuesten Spiele von der Wii zu sprechen, wärst du ganz Ohr.“
„Das ist nicht wahr ...!“, seufzt er.
„Ist es wohl“, ich schmolle, obwohl ich weiß, dass das bei ihm nichts bringt.
„Also was machst du?“, frage ich nach einer Weile genervt.
„Erst mal hole ich mir jetzt mein Frühstück und bin stark am Überlegen, ob es was Süßes oder herzhaftes sein soll. Dann gehe ich rüber zu Patrick, um zu hören wie es gestern mit Moni gelaufen ist und dann...!“
BAMMM
Ich knalle den Hörer hin. Auf dumme Witze kann ich jetzt echt nicht. Meine Kollegin sieht erstaunt auf und ich murmele nur: „Männer!“
Sie nickt wissend.
Als ich Abends, nach einen Einkaufsmaraton im Baumarkt, beim Bäcker, im Lidl und im Bastelladen total fertig und verschwitzt nach Hause komme sitz mein Freund auf dem Sofa und fährt sich gerade eine Ladung Chips in den Mund.
„Bleib nur sitzen. Ich kann die Tüten auch alleine auspacken!“, knurre ich.
„Schön!“, grinst er, steht auf und folgt mir in die Küche, lehnt sich leicht an den Rahmen und beobachtet mich grinsend.
In mir grummelt alles. Was steht der Kerl da so rum? Will der mich auf die Palme bringen?
„WAS!“, fauche ich ihn an.
„Schätzelchen, du siehst etwas gestresst aus. Es ist doch Wochenende.“
„Du Witzbold. Weißt du, wo ich überall war? Ich war einkaufen, hab einen Kuchen besorgt und ....!“
Er nimmt mich in den Arm und küsst mich leidenschaftlich. Nach diesem schier endlosen Kuss, blicke ich ihn verwirrt an und stammle nur noch unverständliches Zeug vor mich hin.
Mein Freund grinst nur und lacht: „Das funktioniert doch noch am besten, um dich zum Schweigen zu bringen. Thorsten hat angerufen – der Flohmarkt wurde abgesagt – Unwetterwarnung und er hat überlegt mit Ari in ein Wellnesshotel zu fahren, weil die zur Zeit so down ist. Wird also nichts mit dem Reinfeiern.“
Er umarmt mich wieder: „Schatz, wir haben heute Abend viel Zeit für uns.“
„Aber warum hast du mir nicht Bescheid gesagt.“
„Die Dame war ja beleidigt und hat mich auf dem Handy weggedrückt“, grinst er.
Ich seufze. Ja, das stimmt. Das war im Supermarkt, an der Kasse beim Halten von zwei Tüten und bezahlen mit EC-Karte. Ich erinnere mich.

Wieder seufze ich, diesmal kein bischen gestresst sondern vor Wonne. Mein Freund sitzt auf mir und knetet meinen Rücken wundervoll durch.
„Siehst du Schatz, nächstes Mal hörst du auf mich, wenn ich sage: „Mach dir mal nich son Kopp!“

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