Diese verflixte Sache mit dem Wetter

Das starke Rauschen des Meeres hatte mich geweckt, gefolgt von dumpfen Kratzgeräuschen, dass ich nicht zuordnen konnte und einem steten Heulen. Noch etwas zerknautscht stand ich auf und suchte taumelnd den Weg zur Balkontür.
Eine herrlich frische Briese schlug mir entgegen - endlich nach 5 Tagen in 35 Grad im Schatten ohne den Hauch eines Luftzuges. Entzückt atmete ich tief ein. Eine Mischung aus Salz, feinen Sandkörnern und etwas, dass ich bis heute nicht zu deuten weiß und ich mich standhaft weigerte es mit dem Katzenkot zuzuschreiben, der überall auf den Straßen liegt, zog durch meine Duftnerven.
Dichte, dunkle Wolken zogen über den bereits leicht erhellten Himmel und ließen den Regentag der kommen würde bereits erahnen.
Ich grinste breit in böser und erwartungsvoller Vorahnung. Es war 05.30 Uhr in der Frühe - bald würde die Show beginnen. Ich zog mir einen Stuhl heran und machte es mir bequem, während mein Blick über die 3-Sterne Anlage meines Hotels glitt. Der Pool mit der kleinen Bar, die Liegestühle, das Volleyballfeld, der ärmliche Kinderspielplatz bestehend aus einer Schaukel und einer Rutsche auf einem Zementplatz und dem völlig marroden Tenniscourt waren für 10 Tage mein Urlaubsdomizil.
Das Unwetter kam vom Meer und brachte Regen und einen starken Wind mit sich.
Mein Grinsen verbreiterte sich, als die erste Balkontür aufging und ich einen Herrn um die 50, kahlem Haar, Feinrippshirt und – unterhose, der bereits starke Rotfärbungen im Gesicht und an den Schultern von der Sonne der vergangenen Tage aufwies hinaus treten sah. Ich konnte förmlich hören, wie er sich Hirn zermarterte, bevor er hysterisch ins Zimmer hinein sagte: „Hilde, es regnet!“
Diese nicht wirklich lauten Worte waren wie ein Startschuss für das Folgende. Immer mehr Urlauber, verstört und geschockt, wollten sich von der Richtigkeit der Aussage von Herrn Feinripp überzeugen und traten hinaus.
Als sei die Szenerie nicht schon grotesk genug, durchzuckte in eben diesem Moment ein Blitz das Firmament und malte ein schrecklich ahnungsvolles Leuchten in ein jedes Gesicht. Ein Kind begann zu weinen, Hilde und ihr Mann hielten sich erschrocken die Hände vor den Mund während der Mann aus dem I. Stock, auf dessen T-Shirt Männer sind primitiv, aber..., der Rest stand auf seinem Rücken, der nicht zu sehen war, da er noch immer in der gleichen Position saß in der er gestern ins Hotel zurückkam – nämlich volltrunken und OLE OLE brüllend, rein gar nichts mitbekam. Den Kopf nach hinten saß er auf einem weißen Gartenstuhl, die Sabberfäden hingen aus seinem rechten Mundwinkel und bildeten bereits auf dem Balkon eine kleine Pfütze.
In kaum versteckter Freude zog ich mir Shorts und T-Shirt an, ja, auch ich habe mich den hiesigen Kleidungsgepflogenheiten angepasst, schnappte mir mein Alibi-Buch und ging beschwingt in die Empfangshalle.
Inzwischen zeigt die Uhr 06:25 Uhr.
Eine beachtliche Schlange hatte sich sowohl vor dem Internetportal als auch vor dem Empfang gebildet. Ich setzte mich gemütlich in einen der rot-weiß karierten Sessel, schlug mein Buch auf und warf über dessen Rand verstohlene Blicke hinüber auf die Traube von Menschen. Ich war froh, dass das Buch wenigstens ein wenig mein schadenfrohes Grinsen verbarg.
„Im Reiseführer stand, dass im Juli kein Regen zu erwarten ist“, dozierte einer der Sonnenanbeter erster Güte mit dickem Bierwanst der armen Frau hinter dem Tresen vor.
„Ja, Regen hätten wir auch in Deutschland haben können“, meckerte eine platinblonde, runzelige 40-jährige.
„Ähm, ich weiß, aber Wetter nicht ändern...“, versucht es das junge Mädchen vom Empfang wird aber sogleich unterbrochen.
„Ich verlange eine Preisminderung!“
So langsam tat sie mir leid.
„Ähm, ich nicht entscheiden..., der Manager...!“
„Holen Sie ihn her!“
„Ich, also..., er ist nicht da. Kommt gegen 10 Uhr!“
„Na, das sind ja Zeiten – typisch Spanier. Kommen wann sie wollen.“
Es ist zu köstlich. Die Menschen applaudierten und erzählten ihrerseits über die Inkompetenz von Spaniern und wie die es doch wagten sich zu benehmen – in Spanien.

„Die nächsten 3 Tage ist Regen gemeldet“,rief ein junger Mann vom Internet-Point in die Runde. Kennen Sie den Abspann der Lindenstraße? Ich finde in diesem Moment hätte er sehr gut gepasst, mitsamt dem Hupen des Taxis. Die nächste Folge hätte ich dann bestimmt nicht verpasst.
Die deutschen Urlauber waren empört und beklagten sich über die Unzuverlässigkeit des Wetters und natürlich des Reisebüros. Ich musste aufpassen nicht laut loszuprusten. Beinahe hätte ich die Worte eines älteren Ehepaares verpasst, die bereits „Stammurlauber“ sind und dieses auch bei jeder passenden oder auch unpassenden Gelegenheit gerne betonten.
„Lass uns erst mal die Liegen reservieren. Vielleicht klart es ja später auf!“
Als ich die Worte auf dem T-Shirt des Greises las, konnte ich nicht mehr an mich halten und lachte los. An seiner Schulter prangte in einer Art Flagge die Worte MS Arenal und auf seiner Brust stand: Liegenreservierer.
Fast schon sympatisch, machte jedenfalls keinen Heel draus.
Der Regen legte sich etwas, doch der Wind pfiff unablässig und die Wolkendecke wollte wohl einfach nicht auf den Stammurlauber hören und brach nicht auf.
Ich ging noch einmal um den Pool, an dem bereits Frauen im Bikini, Marke Brathühnchen mit ihren Handtüchern umwickelt auf ihren Liegen lagen. Mit einem Blick der heißen sollte Den-Urlaub-hab-ich-bezahlt-also-genieße-ich-ihn-auch starrten sie finster der Sonne entgegen.
Wieder einmal war es ein wunderschöner Tag auf Mallorca.

Kommentare

Es sind noch keine Einträge vorhanden.
Bitte geben Sie den Code ein
* Pflichtfelder