Die Wette

„Wie siehst du denn aus?“
Luzifer lachte höhnisch, als er den Allmächtigen auf sich zukommen sah. Dass sein eigenes Gewand dagegen ebenso gewöhnungsbedürftig war vergaß er völlig. Vielleicht war es ihm auch egal in welche Haut er schlüpfte. Die weißen Baggypants verdeckten vorzüglich seinen langen, roten Schwanz mit dem Dreizack am Ende und die kleinen Hörnchen auf seinem Kopf verschwanden unter dem Base-Capy. Wahrlich er scherte sich wirklich nicht darum, welchen Körpers er sich sich bediente.
Gott zuckte mit den Schultern: „Was soll ich machen. Die wirklich Sündenfreien sind dünn gesäht dieser Tage.“
Er stütze sich schwer auf seinen kleinen Rollator und versuchte seine schmerzenden Füße zu entlasten, die in den kleinen Schuhen bereits schwer gelitten hatten. Oma Gerdi wäre unter anderen Umständen nicht seine erste Wahl gewesen. Aber da der Erzieher eines christlichen Kindergartens, den er sich eigentlich für diese Zusammenkunft aussuchte, heute Morgen seinen Sehnsüchten nachgegeben hatte und sich an zwei kleinen Mädchen vergriff, machte ihn für seine Zwecke unbrauchbar. Die Sehnsüchte des jungen Erziehers waren ihm natürlich bekannt gewesen aber heute konnte man die Menschen nicht mehr für ihre Wünsche strafen. Auch Gott ging mit der Zeit.
So hatte er sich in die kleine, gottesfürchtige Oma Gerdi mit ihren Stützstrümpfen und dem lindgrünen Kostüm mit dem riesigen, ovalen Hut, der der Queen zu Ehren gereicht hätte, hinein gezwängt.
Wirklich erleichtert war er, dass Satan nichts von der Inkontinenzeinlage wusste die Oma Gerdi trug. Sein Spott wäre noch eine Spur bissiger geworden.
„Warum treffen wir uns eigentlich jedes Jahr auf der Erde? Du kannst auch gerne zu mir kommen!“, grinste Luzifer höhnisch, wusste er doch um Gottes Abneigung gegen sein teuflisches Heim.
Es bedurfte schon eines harten Charakters um die Bittsteller und Hilfeschreie der Verdammten zu ertragen. Warum tust du uns das an? Hilf, oh Gott hilf mir doch!
Das in Wahrheit aber nicht er derjenige war, der die Regeln bestimmte, sondern der Allmächtige, dass war den armen, Pein geplagten Seelen nicht bewusst.
Wenn man Petrus gemeinhin als den rechten Arm Gottes kannte, so war er, Satan, der Linke.
„Die Hölle quillt über. Ich weiß nicht mehr wohin mit all den Leuten,“ begann Satan ohne weitere Zeit zu vergeuden.
„Aber wir haben doch erst letztes Jahr einige Umbaumaßnahmen vorgenommen um das Platzproblem zu lösen.“
Luzifer zuckte mit den Schultern: „Hast du meine Belegungszahlen von der letzten Woche nicht bekommen? Bei den Eingängen reicht der Platz vorne und hinten nicht aus.
„Du wirst aber damit auskommen müssen. Ich kann zur Zeit keine weiteren Engel abziehen, um deine Hölle auszubauen. Ich brauche sie, um die Menschen wieder auf den rechten Pfad zu bringen.“
Satan schnaubte verächtlich: „Pah, das versuchst du jetzt seit wie vielen Jahrtausenden – oder sind es schon Jahrhunderte? Die Menschen scheren sich keinen Deut um ihre Seelen. Da helfen auch die Einflüsterungen deiner Engel nicht.“
Er ignorierte den drohenden Gesichtsausdruck Gottes.
„Entweder wir bauen aus oder aber du musst die Richtlinien die du aufgestellt hast um in den Himmel zu kommen drastisch zurücksetzen.“
„Das kommt überhaupt nicht in Frage. Da verliere ich ja mein Gesicht, wenn ich jeden Dahergelaufenen aufnehme. Außerdem gibt es immer noch genügend Menschen die in den Himmel kommen“, es sah fast so aus als würde der Allmächtige gleich trotzig wie ein kleines Kind die Unterlippe nach vorne schieben.
Wie immer macht sich der Gott etwas vor, dachte Satan, sah aber seine Chance gekommen seinem Boss die Augen zu öffnen.
„Das hört sich nach einer guten Wette an.“
Gott runzelte alarmiert die Stirn. Trotzdem wusste Satan genau, dass der Allmächtige einer Wette grundsätzlich nicht abgeneigt war. Schließlich war es auch eine Wette gewesen, die Gott dazu gebracht hatte den guten Abraham zu prüfen in dem er ihn tatsächlich bat seinen Sohn für ihn zu opfern. Satan gewann, schließlich hätte Abraham doch tatsächlich seinen Sohn getötet.
„Ich wette also mit dir, dass der nächste Mensch der sterben muss in die Hölle kommt. Wenn ich recht habe, musst du die Regeln ändern, die die Menschen in den Himmel bringen.“
Wenn Satan ein Herz gehabt hätte, wäre es ihm jetzt schier zersprungen so aufgeregt war er. Würde Gott tatsächlich darauf eingehen?
„Inwiefern soll ich die Regeln ändern?“
Jetzt galt es!
„Du nimmst die kleineren Delikte: Lügner, Ehebrecher und die ganze Bagage und...“, er holte tief Luft, „und die Sexualstraftäter!“
Damit wagte er sich sehr weit vor, das wusste er, aber diese Bande brüllte und flehte immer am lautesten, was ihm unsägliche Kopfschmerzen bereitete. Er wollte sie ein für alle Mal loswerden.
„Aber... das .... nein“, der Allmächtige war sprachlos.
„Schlag ein oder lass es!“, setzte Luzifer alles auf eine Karte und hielt Gott auffordernd seine Hand hin.
Gott zögerte, aber schließlich schlug er ein.
Zugegeben, fair war die Wette nicht wirklich. Hatte er nicht vorhin erst in den Gedanken eines Vaters gelesen: Heute bring ich die Sau um! Der wird meine kleine Tochter nicht mehr anfassen und auch keine andere! Und so etwas in einem christlichen Hort!
Wenigstens würde der jetzt in den Himmel kommen und ihm nicht die Ohren volljammern!

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