Das Problem

ich hab’ da so’n Problem
das kümmert mich extrem
es ziert mich wie ein Tier,
das ich spazieren führ’
es macht mich int’ressant
die Leute sind gespannt
was ist mit dem Problem?
wie wird es weitergeh’n?
(Annett Louisan)


„Jedes Mal, jedes Mal dasselbe, ich könnt kotzen“, schimpft meine Kollegin, rümpft die Nase und stochert in ihrem Essen rum.
„Schmeckt es nicht?“, fragte Frau Sobania aus der Rechtsabteilung, die heute mal mit uns zusammen in die Cafeteria gegangen ist.
Ich halte meinen Blick auf meinen Teller gerichtet. Ich weiß schon was kommt. Frau Richard, meine liebe Kollegin, atmet tief durch schüttelt den Kopf und stochert weiter in ihrem Essen herum.
„Na, das hier... Das ist doch... Also wirklich....!“
Frau Sobania sieht verwirrt von ihrem Teller zu dem von Frau Richard: „Ich finde es lecker. Wir haben doch das Gleiche.“
Sie seufzt: „Da ist doch gar kein Geschmack drin, einfach fade. Und dafür gebe ich jedes Mal wieder mein sauer verdientes Geld aus.“
Ich zucke nur noch mit den Schultern.
Bloß nicht in die Augen sehen.
Kein Interesse zeigen.

Ich habe den Aufzugsknopf gedrückt. Nach dem Mittagessen bin ich viel zu faul zum Laufen. Meine Kolleginnen haben sich dran gewöhnt und warten mit mir auf den Aufzug.
„Wir fahren jetzt mal schön runter, Walter. In die Sonne“, höre ich eine Frau zu einem Mann in einem Rollstuhl sagen, der einen Mundschutz trägt.
Frau Richard atmet tief ein. Ich weiß schon was kommt.
Kaum sind wir im ersten Stock angekommen und der Rollstuhlfahrer mit seiner Frau ausgestiegen geht es schon los.
„Ich kann ja überhaupt nicht nachvollziehen, warum solche Menschen hier herumlaufen dürfen.“
Frau Sobania versteht nicht: „Wer?“
„Na, der kann uns doch alle anstecken? Wer weiß, was der hat? Den Mundschutz trägt er bestimmt nicht, weil er gesund ist.“
„Aber wir arbeiten nun einmal in einem Krankenhaus!“, versucht Frau Sobania eine Erklärung.
Ich muss lächeln. Frau Sobania glaubt tatsächlich, dass diese Aussage reichen würde.
„Ja, aber da muss man halt besser aufpassen. Die auf einer Geschlossenen unterbringen oder so.“
„Aber diese Patienten tragen doch meistens den Mundschutz, weil sie selbst vor den Keimen geschützt werden müssen, oder?“
Ich nicke kaum merklich.
„Jaja, wahrscheinlich!“, giftet Frau Richard.

„Mein Nacken schmerzt schon wieder.“
Frau Richard sitzt an ihrem PC, rollt den Kopf hin und her und massiert mit den Händen die schmerzende Stelle.
Ich starre wie gebannt auf meinen PC, antworte nicht. Ich weiß schon was kommt.
„Wenn ich hier drauf drücke,“ sie zeigt mir eine Stelle an ihrem rechten Ohr, „dann ist da ein dicker fetter Knubbel.“
Ich zucke mit den Schultern.
„Der wird immer mal größer und mal kleiner.“
Ich nicke – mal größer, mal kleiner.
„Ich habe letztens in einem Artikel gelesen, dass über ein viertel der Tumore erst viel zu spät entdeckt werden.“
Ich murmele etwas bestätigendes und starre weiterhin auf den Bildschirm.
„Da stand auch, dass viele Tumore mit Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Bauchschmerzen und Husten einhergehen.“
Ich nicke.
Frau Richard befühlt ihre Stirn: „Bestimmt hab ich Fieber. Heute morgen hatte ich schon so ein Kratzen im Hals. Und komisch, jetzt wo wir drüber reden, fällt mir ein, dass mein linkes Augenlid manchmal so zuckt. Das ist doch nicht normal.
Meinst du, ich sollte mal zu einer CT?“
15:30 Uhr. Ich atme auf. Frau Richard hat frei.

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