Safari im Weltraum

„Meine Damen und Herren, zu unserer Linken sehen Sie einen Venusfalter. Seine Farbe verändert sich von nachtschwarz, wenn er nicht gesehen werden will bis zu rosarot, wenn er verliebt ist. Dieses kleine, possierliche Tierchen hat eine Flügelspannweite von 2 Metern – natürlich ohne den Schwanz. Bitte passen Sie auf, nicht zu nahe heranzufliegen. Der Venusfalter ist äußerst schreckhaft und könnte sie leicht durch seine Schlagkraft in den Flügeln ins Weltall hinaus katapultieren.“
Mäxchen starrte durch den 300-fach Zoom seines R300XP L154-Zielrohres auf den immer dunkler werdenden Falter.
Langsam ließ Mäxchen das Gewehr sinken. Seine Eltern machten mit ihm diese verdammte Rundreise. Venus – Mars – Jupiter – Saturn in 5 Tagen für nur 299,99 Bizelar, warb der Anbieter.
„Mäxchen, das hat etwas mit Kultur zu tun“, sagten seine Eltern immer wieder, wenn sie ihren Sohn mal hier und dorthin schleppten.
Heute waren sie auf einer Safari im Weltraum. Mäxchen trug seinen schwarz-blauen Raumanzug und betrachtete die anderen Pauschalurlauber. Herr Lehnert, „Kannst auch Willi zu mir sagen“, trug einen viel zu engen rot-weiß gestreiften Raumanzug, während seine Frau nebst Zentauren-Hündchen Hermine einen glänzend rosa Modell angezogen hatten. Der Junggesellenabschied von Levander hatte sich extra zu diesem Anlass gleichfarbige Raumanzüge fertigen lassen.
Mäxchen überlegte grinsend, wie lange der Trauzeuge und seine Saufkumpane wohl damit verbracht hatten, um sich den Text auf den Anzügen auszudenken. Auf der Vorderseite stand in weiß-glitzernden Lettern: Nimm mich noch ein letztes Mal… Dann war ein rot-blinkender Pfeil zwischen Levander’s Beine gerichtet und auf der Rückseite folgte dann… bevor ich die Letzte meines Lebens nehme.
„Ah und hier auf der linken Seite sehen wir das Sumpfdotterotterchen vom Merkur. Dieser lustige Geselle bringt fast 200 kg auf die Waage und ist bis zu 2 Metern groß. Das Sumpfdotterotterchen paart sich nur mit sich selbst und versucht dabei sich so wenig wie nur möglich zu bewegen.
„Sie mal Max, der sieht dir irgendwie ähnlich“, prustete Mutter.
Die Junggesellengruppe ging sofort darauf ein: „Na Max, alter Junge, wenn du es nicht mehr packst könnten wir…“
„Danke nein“, sagte der Vater pikiert.
Mäxchen ging weiter nach vorne. Seine Eltern waren ihm immer peinlich.
„Welch ein Glück, welch ein Glück. Dort vorne kommt gerade eine Gruppe Ohne-Humor-Sapiens herein, meine Damen, meine Herren. Diese Nackttierchen kommen von einem blauen Planeten und finden nur selten den Weg in unsere Galaxis.
Wer es schafft diese Tiere zu treffen erhält 10 Bizelar und einen Platz am Käptn’s Tisch.“
Die Männergruppe griff sofort beherzt zu ihren Waffen und schossen wild darauf los. Trafen aber nicht. Sie hätten vielleicht etwas weniger Stampus trinken sollen.
Mäxchen’s Mutter hatte hingegen mehr Glück. Sie traf mitten ins Herz der weißen Rakete und die Maschine stürzte wie ein Pfeil in das Dunkele des Weltraums. Wer weiß, wo sie ankommen würde.
„Super Mama!“
Mäxchen winkte den panisch aussehenden Ohne-Humor-Sapiens zu und vergaß sie im nächsten Moment schon wieder.

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